Distinction 2018

Sanierung und strategische Neupositionierung Farelhaus, Biel/Bienne

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Auftraggebende:

Farelhaus AG, Biel

Autorenschaft Projekt:

Farelhaus AG, Biel

Autorenschaft Kultur:

Valerie Feller, Biel

Planung und Umsetzung:

0815 Architekten GmbH, Biel

Fertigstellung:

2017

Adresse:

Oberer Quai 12, 2502 Biel/Bienne

 

Der Reformator Guillaume Farel wurde wegen seinem glühenden Eifer aus Frankreich vertrieben und wirkte hauptsächlich in der Westschweiz. 1959 weihte die Bieler Kirchgemeinde ihr nach Farel benanntes Zentrum ein. Von reformatorischem Eifer zu sprechen, wäre zwar übertrieben, fortschrittlich war das von Architekt Max Schlup realisierte Gebäude auf jeden Fall — sowohl in seiner Nutzung als auch architektonisch. Dass es bis heute weitgehend unverändert besteht, ist der Begeisterung von fünf Bieler Architekten zu verdanken, die sich für Schlups Werk ebenso energisch einsetzten, wie seinerzeit Farel für die Reformation.

Zum Raumprogramm des kirchlichen Zentrums gehörten ein Saal, ein alkoholfreies Restaurant, Büros, Pfarrwohnungen und Zimmer für den Verein «Freundinnen junger Mädchen». Das grosse Volumen des Saals setzte Schlup an die hintere Grundstücksgrenze, strassenseitig stapelte er die übrigen Funktionen in einem sechsgeschossigen Gebäude. Zwei «Finger» verbinden die beiden Teile miteinander und flankieren einen offenen Hof. Aus Beton, Sichtbackstein, edlem Holz und grossen, von dunklen Profilen gehaltenen Glasflächen komponierte Schlup ein räumliches Kontinuum, das sich vom Erdgeschoss bis auf die Dachterrasse und vom Windfang bis in den Saal erstreckt. Die Strassenfassade war Biels erste Vorhangfassade, hofseitig entwarf er raffinierte Schiebefenster.

Trotz späteren Anpassungen hat das Farelhaus die Zeiten weitgehend im Originalzustand überdauert. Die Kirchgemeinde allerdings wusste nicht mehr, was sie mit dem Gebäude anfangen sollte und schrieb es zum Verkauf aus. Den Zuschlag erhielt eine Gruppe von fünf Bieler Architekten mit ihrer eigens gegründeten Farelhaus AG. Ihr oberstes Ziel war, die Substanz integral zu erhalten. Dies aus Respekt gegenüber dem Werk Schlups, aber auch aus finanzieller Notwendigkeit; drei Millionen Franken mussten reichen. So war das Projekt eher ein Risikomanagement als ein All-inclusive-Paket, wie Ivo Thalmann sagt. Deshalb mussten die Eingriffe so minimal sein, dass keine Baubewilligung nötig war. Sonst hätten die neuen Vorschriften die Substanz vernichtet und das Budget gesprengt.

Das Beurteilungsgremium ist vom Farelhaus beeindruckt. Es würdigt das sanierte Gebäude und den sehr gut restaurierten Aussenraum aber auch das Engagement von Stephan Buchhofer, Reto Mosimann, Oliver Schmid, Simon Schudel und Ivo Thalmann. Erst die neuen Nutzungen, die sie im Gebäude ansiedelten, ermöglichten den Erhalt von Schlups Werk. So gelingt der betriebswirtschaftliche Balanceakt, den das Denkmal braucht, um überlebensfähig zu sein.

Die Jury ist sich bewusst, dass die Sanierung des Farelhauses ein Einzel- und Glücksfall ist, der sich nicht beliebig auf andere Objekte übertragen lässt. Aber es ist ein starkes Zeichen dafür, was möglich ist, wenn Bauherrschaft, Architekten und Behörden am gleichen Strick ziehen, wenn es darum geht, wertvolle architektonische Substanz zu erhalten und in die Zukunft zu führen.

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